Vorladung von der Polizei bekommen?

Grundsätzlich sollten Sie, sobald sie mit Polizei oder Staatsanwaltschaft im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens in Kontakt kommen, umgehend einen auf Strafverteidigung spezialisierten Rechtsanwalt aufsuchen und nicht etwa versuchen, die Angelegenheit auf eigene Faust “zu klären” oder “aus der Welt zu schaffen”. Weil fälschlich immer noch weit verbreitet angenommen wird, man müsse als Beschuldigter zB einer Vorladung der Polizei folgen, werden dort manchmal Aussagen protokolliert, die einen unnötig selbst belasten und/oder der Polizei weitere Ermittlungsansätze verschaffen. Das kann fatale Folgen für Sie haben, denn bedenken Sie insbesondere:

Sie wissen nicht, was die Polizei schon über Sie und die Angelegenheit weiß; der Polizeibeamte wird ihnen den Akteninhalt auch nicht verraten oder Ihnen gar die Ermittlungsakte aushändigen! Akteneinsicht bekommt nur der Rechtsanwalt.

Sie plaudern munter über das Geschehene und wissen gar nicht, dass ihr Verhalten möglicherweise strafbar ist! Oder wußten Sie beispielsweise, dass

- Sexueller Mißbrauch von Kindern bereits vorliegen kann, wenn sie mit einem Kind unter 14 Jahren nur über sexuelle Themen reden, ohne dass auch nur eine Berührung stattfindet (§ 176 Abs. 2, Ziff. 4 StGB, Freiheitsstrafe nicht unter 6 Monaten);

- Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort (Unfallflucht) auch dann vorliegen kann, wenn Sie als Unfallbeteiligter lange gewartet haben, dann sich aber unter Hinterlassen ihrer persönlichen Daten etwa auf einem Zettel an der Windschutzscheibe des gegnerischen Fahrzeuges entfernt und nicht unverzüglich bei der Polzei gemeldet haben.

- Betrug auch dann vorliegen kann, wenn Sie eine Warenbestellung bei einer Versandfirma aufgeben und sich nachweislich (zB Konto im Soll) gar nicht sicher sein konnten, ob und wann sie bezahlen können. Selbst wenn sie zwischenzeitlich gezahlt haben, kann der Betrug vorliegen, da nicht nur ein eingetretener Schaden, sondern auch der drohende Vermögensschaden zum Zeitpunkt Ihrer Bestellung für die Annahme des Betruges ausreicht (sog. “Vermögensgefährdung” ).

- vollendeter Subventionsbetrug (§ 264 StGB) unter Umständen bereits dann vorliegen kann, wenn der Antrag auf staatliche Geldleistungen falsche oder unvollständige Angaben enthält, und zwar auch dann, wenn es zu einer Auszahlung gar nicht kommt oder Sie die Leistung zurückerstattet haben.

Sie sehen also, dass Aussagen in dem Glauben, man hätte “ja gar nichts Unrechtes getan”, oder der angeblich Geschädigte “sei ja gar nicht geschädigt” und dergleichen mehr, in Wahrheit eine gefährliche Selbstbelastung darstellen können, zu der Sie bekanntlich nicht verpflichtet sind.

Weitere interessante Informationen folgen!

Ihr Patrick Graf zu Stolberg

Rechtsanwalt

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